Weihnachts- und Neujahrsgrüße des Bürgermeisters

  

Liebe Lößnitzerinnen, liebe Lößnitzer, sehr geehrte Leserinnen und Leser unseres Internetauftrittes,

eine sehr herausfordernde Zeit liegt hinter uns und wird sich in dieser Form hoffentlich nicht wiederholen. Die Corona-Pandemie und das in diesem Zusammenhang Erlebte haben Narben in unserer Gesellschaft hinterlassen. Auch in unserer Stadt sind Menschen in ganz persönlicher und einschneidender Weise betroffen gewesen. Nach zwei Jahren Pause konnten wir nun in diesem Jahr endlich wieder unseren Lößnitzer Weihnachtsmarkt durchführen, die Menschen sind zusammengekommen, Freunde haben sich getroffen und wir konnten wieder einmal die Gedanken schweifen lassen und die weihnachtliche Stimmung etwa beim Großen Bergaufzug auf dem Marktplatz oder dem Weihnachtsoratorium in unserer St. Johanniskirche genießen.

Wenn ich mir meine in den Dezember-Heimatblättern der Jahre 2020 und 2021 niedergeschriebenen Gedanken durchlese, dann spüre ich – wie sicher die meisten von Ihnen – ein Gefühl der Erleichterung. Bedanken möchte ich mich dabei vor allem bei all jenen, die sich in den letzten beiden Jahren in besonderer Weise dafür eingesetzt haben, dass wir gemeinsam gut durch diese fordernde Zeit gekommen sind und der Zusammenhalt in unserer Stadt gewahrt geblieben ist.

Trotzdem blicken wir auch in diesem Jahr nicht sorgenfrei in die Zukunft. Wir haben wieder einen Krieg in Europa – ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich diese Feststellung selbst noch einmal formulieren müsste. Derartige Schilderungen kennen wir doch nur von den älteren Bürgern unserer Stadt. Auf den ersten Blick scheint das Geschehen weit entfernt von uns – tatsächlich ist es ganz nah. Es ist in unser aller Mitte –   wie so oft sind Herausforderungen in den Städten und Gemeinden zu lösen. Auch in Lößnitz leben mehrere ukrainische Familien, meist Frauen mit ihren Kindern und ältere Menschen. Wie unmittelbar sich die Auswirkungen zeigen, ist mir persönlich noch einmal ganz bewusst geworden, als ich am ersten Schultag dieses Jahres in der Grundschule Neustadt in die Augen von sechs ukrainischen Schulanfängern geschaut habe. Die Gedanken, wie das wohl wäre, wenn meine Kinder in einem fremden Land in Sicherheit gebracht werden und dort die nächsten Schritte in ihrem Leben meistern müssten und keiner weiß, ob wir uns jemals wiedersehen und ob sie überhaupt in absehbarer Zeit in ihre Heimat zurückkehren können, gehen mir nicht aus dem Kopf. Sehr dankbar bin ich für die vielen Menschen in unserer Stadt, die helfen.

Unter diesem Eindruck der aktuell aus den Fugen geratenen Welt denke ich oft daran, wie ich als Kind mit meinem Großvater zusammen den alljährlich zu Weihnachten ausgestrahlten Film „Der kleine Lord“ angesehen habe – das praktiziere ich inzwischen jedes Jahr mit meinen Kindern, in der Hoffnung, sie nehmen auf diese Weise ein paar wichtige Dinge mit auf ihren Lebensweg. „Jeder Mensch sollte mit seinem Leben die Welt ein ganz klein wenig besser machen“ – ist eine der zentralen Botschaften, an die ich dabei denke.
Wie einfach dieser Satz eigentlich ist und wie großartig könnte das Zusammenleben auf der Erde sein, wenn ihn jeder beherzigt.

Übrigens – genau darum geht es zu Weihnachten, die Nächstenliebe und das Füreinander-Dasein. Dafür steht die Geburt des Christuskindes in eine raue, unfreundliche Welt hinein.
Es lohnt sich, diesen Gedanken mitzunehmen, wenn wir jetzt zu Weihnachten und den Tagen um den Jahreswechsel zusammenkommen.

Offensichtlich ist es auch nicht – mehr – selbstverständlich, dass alle Menschen in Europa in Frieden leben und sich mit all ihren Familienangehörigen in ihrem Zuhause, ihrer Heimat treffen können. Deshalb können wir, die wir in Sicherheit sind und denen genau das unverändert möglich ist, trotz aller anstehenden Herausforderungen auch dankbar und zufrieden sein – ein Rat, den mir der älteste Lößnitzer Bürger, dem ich vor ein paar Tagen zu seinem 103. Geburtstag gratulieren durfte, schon vor einigen Jahren mit auf den Weg gegeben hat.    

Ich wünsche Ihnen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes, hoffentlich für alle friedlicheres Jahr 2023.

 

Ihr Bürgermeister Alexander Troll